Physio undercover 1.0

Selbsterfahrung REHA

 

Hallo & schön das du da bist.

In der Blogpostserie „Physio undercover“ werde ich dir sehr persönliche Einblicke in meine Zeit während meiner Verletzung geben und mit dir meine Erfahrungen auf der Rehabilitation teilen. Auf Reha war ich nämlich nicht als Therapeutin, sondern ausnahmsweise mal als Patientin! Um ehrlich zu sein hätte ich nie gedacht, dass ich selbst einmal eine Reha machen würde.. Aber so spielt eben das Leben!

 

Aber warum eigentlich REHA? Was ist passiert?

Am 1.11. 2017 bin ich nach einer längeren Pause wieder einmal bouldern gegangen. Dabei habe ich mir vorgenommen, es gemütlich anzugehen. Das hat am Anfang gut funktioniert. Gegen Ende habe ich dann eine recht leichte Route mit guten Griffen gewählt. Beim ersten Versuch war ich innerhalb weniger Sekunden schon fast ganz oben. Beim TOP-Zug (letzter Griff) angekommen habe ich kurz gezögert…

Der Ehrgeiz war stärker als mein Bauchgefühl….WUUUUM!

…und ich lag 3 Meter weiter unten am Boden, weil ich den Griff mit der rechten Hand verfehlt hatte. Da die Route leicht im Überhang war konnte ich meine Beine nicht mehr unter meinen Körper bringen und landete ziemlich tollpatschig auf meinem „Allerwertesten“. Meine Freundin und ich sahen das Ganze überhaupt nicht kommen, weshalb sie mich auch nicht gespottet hat.

Sofort spürte ich den Schmerz und mir blieb die Luft weg. Ich legte mich zunächst noch optimistisch auf den Rücken und wartete bis der Schmerz sich wieder in Luft auflösen würde. Leider falsch gedacht- der Schmerz blieb! Nach einigen Minuten versuchte ich aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Da der Schmerz sogar schlimmer wurde blieb uns nichts anderes übrig, als die Rettung zu rufen. Ich wurde spektakulär mit der Rettung aus der Boulderhalle abtransportiert und hatte zwischendurch ziemlich Angst, dass es eine blöde(r) Fraktur (Bruch) ist.

Long story short: Impressionsfraktur des 1. Lendenwirbelkörpers (Bruch des 1. Lendenwirbels) -zum Glück war der Bruch stabil, wodurch keine Operation nötig war.

Glück im Unglück!!!

 

 

Mein Begleiter für die nächsten 6 Wochen wurde ein Dreipunktmieder -ich nannte ihn THEO. Die kommenden Wochen bestand aus Bettruhe und seeeehr viel Serien schauen (ich sah mir innerhalb von 2 Wochen die GANZEN Staffeln von Game of Thrones an).  Bereits nach maximal einer Stunde auf den Beinen musste ich mich am Beginn wieder hinlegen. Das war wirklich kein Spaß!! Jedoch ist es speziell in der Akutphase einer Verletzung wichtig, dass man den Schmerz als „Warnsignal“ sieht, sodass keine Chronifizierung (Bestehen) von Schmerz provoziert wird. Da ich auch nicht länger als eine Stunde sitzen konnte, musste ich zunächst in Graz bleiben und konnte nicht einmal zu meinen Eltern nach Kärnten fahren… Mit der Zeit wurde es zum Glück immer besser und ich fuhr nach 2 Wochen endlich nach Hause 😀

 

 

 

 

THEO begleitete mich überall hin. Um zumindest ein wenig in Bewegung zu bleiben ging ich jeden Tag spazieren. Am Beginn hatte ich bereits nach einer halben Stunde Schmerzen. Mit der Zeit wurden die Spaziergänge immer länger und zumindest meine Beinmuskulatur baute sich nicht komplett ab.

 

In der Zwischenzeit machte ich noch eine Behandlungsserie bei einem Physiotherapeuten, was mir sehr half die Schmerzen zu reduzieren. Am Anfang war es irgendwie komisch plötzlich selber Patient zu sein, aber ich gewöhnte mich relativ schnell an die neue Rolle. Zudem behandelte mich mein Physiotherapeut eher wie eine Kollegin, was ich sehr angenehm fand. Während der Physio begann ich mit den ersten Übungen in Rückenlage. Das Rad fahren am Hometrainer versuchte ich dann erst gegen Ende der 6 Wochen. Das war am Anfang gar nicht möglich, wurde jedoch nach einigen Versuchen immer besser. Endlich kam der Tag an dem ich mich von THEO verabschieden durfte. Das erste Mal wieder die Wirbelsäule zu bewegen fühlte sich nach so langer Ruhigstellung ziemlich komisch an. Die ersten paar Tage waren ungewohnt, aber ich war froh mich endlich wieder normal bewegen zu können.

 

Ich hätte wirklich nie gedacht, dass man durch eine Verletzung soooo eingeschränkt sein kann. Was ich aus dieser Zeit für mich mitgenommen habe: Verletzungen an der Wirbelsäule beeinflussen fast alle Aktivitäten im täglichen Leben. Das hätte ich mir vorher nie vorstellen können und mit dieser Erfahrung kann ich mich viel besser in meine Patienten mit Verletzungen oder Schmerzen an der Wirbelsäule hineinversetzen.

Und dann war da noch meine Graduierung, womit ich offiziell mein Studium als Physiotherapeutin beendete. Die Erleichterung ist mir sichtlich ins Gesicht geschrieben. Die größte Challenge war, dass THEO so gut wie möglich unter meiner Kleidung versteckt wird. Aber ich glaube, das ist mir relativ gut gelungen. Wäre dir der Dreipunktmieder auf den ersten Blick aufgefallen?

 

 

Wie gings weiter?

Meine Chefin, die sehr fürsorglich reagierte, empfahl mir eine Rehabilitation zu machen. Zuerst dachte ich mir: Was soll ICH denn auf einer Reha? Aber nach längeren Überlegen überwogen doch die positiven Aspekte und ich wollte wieder alle Sportarten uneingeschränkt ausüben können. Zudem fühlte ich mich keineswegs fit genug, um gleich wieder arbeiten zu gehen. Als Physio arbeitet man sehr viel in nach vorne gebeugter Haltung und dafür ist ein voll funktionsfähiger Rücken notwendig. Meine ganze Muskulatur hatte abgebaut- zwischendurch war ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt noch einen Rückenstrecker habe.^^ Ich beantragte also die Rehabilitation und mir wurde der nächstmögliche Termin Anfang März vorgeschlagen!  Das wären fast 5 Monate Krankenstand gewesen!!!! Also telefonierte ich mir durch fast alle Rehakliniken in der Umgebung. Glücklicherweise fand ich dann eine Rehaeinrichtung, die mir einen früheren Termin geben konnte. Das Durchtelefonieren bei Rehabilitationskliniken ist zwar nicht gern gesehen, aber das hat in meinem Fall die Wartezeit reduziert. Am 24.1.2018 ging es dann los mit der Rehabilitation 😀

 

Wie es mir auf Reha ergangen ist und wie ich mich in der Rolle als Patient zurechtfand, erfährst du im nächsten Blogpost 😀

Hast du auch schon einmal eine Verletzung gehabt? Wenn ja, lass es mich in den Kommentaren wissen. Wie ist es dir dabei ergangen? 🙂

 

Liebe Grüße,

 

Valentina

 

 

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